Sonntag, 3. Mai 2015

103. Beitrag - Gedenkjahre, Bischof Heinrich I.

 
Der Merseburger Dom.

Der Name Heinrich ist eng mit Merseburg verbunden. Es war ein beliebter Name des lokalen Adels. Der erste Sachse auf dem Königsthron des Ostfränkischen Reiches und Vater Ottos des Großen hieß Heinrich. Heinrich II., ebenfalls dem Geschlecht der Ottonen entstammend, gilt noch heute als bedeutendster Förderer des damaligen Bistums. Dahingegen verwundert es schon fast, dass es annähernd 250 Jahre brauchte, bis ein Heinrich auf den Bischofsstuhl saß. Im Jahr 1244 bzw. 1245 - leider ist es nicht genau überliefert -  trat er die Nachfolge  Rudolphs an und hatte das Amt 21 Jahre inne. Wie bei den meisten anderen Bischöfen, wurde auch er laut der Chronik einstimmig gewählt.

Seine Führung des Bistums schien tadellos, doch kam es zu einer Fehde zwischen dem Merseburger Bistum und einem ortsansässigen Adelsgeschlecht, dem der Knutonen. Sie nahmen Heinrich gefangen und setzten den Bischof in einem ihrer Schlösser fest. Die zwei Brüder aus dem Knutonengeschlecht gehörten damals nicht nur zu den mächtigeren Adligen der Region, sondern auch zu den klügeren. Sie ließen den Bischof nicht sofort nach der Lösegeldzahlung in Höhe von 600 Mark frei. Erst einmal musste Heinrich den Brüdern versichern, dass er nach seiner Freilassung keine Klage einreichen und auch das Geld nicht zurückfordern würde. Damit begann eine über ein halbes Jahrhundert andauernde Zeit der Verunsicherung im Bistum. Die Knutonen kauften Besitzungen und legten Befestigungen an. Laut der Chronik suchten sie das Bistum regelrecht heim und terrorisierten die Bewohner. „[...] gar oft mit Plünderung, Brand und Raub.“

Trotz dieser Bedrohungen und seiner Gefangennahme, verwaltete er das Bistum in Frieden und vermehrte dessen Reichtum. Es gelang ihm auf vielfältige Weise, wobei eine seiner Handlungen wahrscheinlich nicht gerade wenig Geldmittel einbrachte. Er verlieh die Merseburger Münze, also das Recht auf die Prägung von Münzen an Peter von Naumburg, für ein ganzes Jahr. Es mag seltsam anmuten, so ein Recht zu verpachten. Warum also tat er es? Weil es sich lohnte. Die Produktionskosten reduzierten sich auf null, während das Bistum am Gewinn beteiligt wurde. Pro hergestellte Mark, wanderten 12 Pfennig in die Kasse.

Doch bleibt am Ende Raum für Spekulationen: Kuschte er aus Angst vor den Adligen oder hatte sich Heinrich gar mit den Knutonen arrangiert? Die eigentliche Frage sollte allerdings lauten: Wo waren die anderen Adligen, um Heinrich beizustehen?

Quellen:

Otto Rademacher: Die Merseburger Bischofschronik.

Paul Kehr: Urkundenbuch Merseburg.

Sonntag, 26. April 2015

102. Beitrag - Schulgeschichte im Merseburger Land

Das Merseburger Domgymnasium
Je kürzer die Ereignisse zurückliegen, desto besser ist das Bild unserer Vergangenheit. Schwieriger wird es dagegen die Situation des Mittelalters und noch früherer Zeiten darzustellen. Im Allgemeinen finden wir natürlich eine Menge Quellen, wie z.B. die Bildung bei den alten Römern oder im antiken Griechenland ablief. Aus vielen Puzzleteilen fügt sich so ein Bild unserer Vergangenheit zusammen. Konkrete Aussagen über unser Merseburger Land zu treffen ist jedoch kompliziert, denn uns fehlen schlicht und ergreifend die Quellen. Über das Domgymnasium wurde bereits in der Vergangenheit viel berichtet, wie aber sah die Situation auf den Dörfern aus?
Begeben wir uns auf eine Zeitreise in die Jahre nach der Reformation, als die neue Kirche bemüht war viele Anhänger um sich zu sammeln. Um den Menschen Luthers Lehre näherzubringen, war es notwendig das die Pfarrer und deren Zuhörer überhaupt verstanden, was zu predigen war. Eine Übersetzung der Bibel ins Deutsche war nur der erste Schritt. Als nächstes wurde sichergestellt, dass die alten Prediger die neue Lehre angenommen hatten. Manche von ihnen konnten jedoch nicht einmal lesen, geschweige denn schreiben, sofern wir den Quellen Glauben schenken dürfen.

Die neuen Kirchenherren legten Wert darauf, dass die Menschen zumindest eine gewisse Grundbildung hatten. Diese zu vermitteln war Aufgabe der Pfarrer oder des jeweiligen Küsters. Während erster vorwiegend für die Predigt zuständig war, war Letzterer ein Angestellter der jeweiligen Kirche. Er war zuständig für die Aufbewahrung und die Wartung der liturgischen Geräte, dass Läuten der Glocke und der Vorbereitung des Gottesdienstes. Zudem war der Küster gleichzeitig der Lehrer. Wir dürfen die Dorfschule von damals nicht mit einer heutigen Schule vergleichen. Der Unterricht fand vermutlich in einem kleinen Raum statt, vielleicht sogar der Wohnstube des Küsters selbst. Wo kein Platz war, musste unter freiem Himmel unterrichtet werden. Die Kinder des Pfarrers hingegen wurden meist von ihrem Vater selbst unterrichtet.

Auf den Dörfern existierten im Prinzip nur zwei verschiedene Arten von Schulen: Die Knabenschulen und die Mägdleinschulen. Jungs und Mädchen wurden meistens also getrennt voneinander unterrichtet, doch in manchen Fällen scheint es so, dass es gemeinsame Schulklassen gab. Größere Ortschaften, wie Schkeuditz, konnten sich durchaus einen Schulmeister und weitere Angestellte leisten. Die Anzahl der Bediensteten einer Schule darf allerdings nicht über die Anzahl der Schüler hinwegtäuschen, denn selten kam man selbst in den Städten kaum über 30 Kinder.

Spergau konnte mit einer Anzahl von 20 Schülern Punkten und Friedensdorf kam immer noch auf 15 Kinder, welche die Schulbank drückten. Andernorts konnte man froh sein, wenn eine Handvoll Schüler zusammen kamen. Je weniger es zu unterrichten gab, desto schlechter war zudem die finanzielle Lage des Küsters. Zwar verdiente er seinen Unterhalt auch mit anderen Tätigkeiten, dass Schulgeld war jedoch ein wichtiges Zubrot für ihn. Zumindest sofern es bezahlt wurde, denn um die Zahlungsmoral war es nicht immer zum Besten bestellt.


Quelle:

Friedensburg: Die Protokolle der Kirchenvisitationen im Stift Merseburg von 1562 und 1578.


Bildquelle:

http://heimatblatt-merseburg.de/s/cc_images/cache_2419325330.jpg?t=1322921354

Sonntag, 19. April 2015

101. Beitrag - Schulgeschichte



Für viele Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ist es ein leidiges Thema. Man muss früh aufstehen, hastig frühstücken und sich auf den Weg machen. Entweder zu Fuß, per Fahrrad oder Bus gelangt man dann zum Schulgebäude. Man trifft Freunde, aber auch Menschen, die man nicht sonderlich mag. Die Lehrer sind ebenso vielfältig wie die Fächer, die angeboten und unterrichtet werden. Stets ist man bemüht die besten Noten zu bekommen, da diese Noten über die Zukunft eines jeden Einzelnen entscheiden sollen, zumindest was die Wahl des Berufes oder des Studiums angeht. Während Klausuren und Abschlussprüfungen meistens das große Böse für die Schüler sind, nerven doch eigentlich mehr die kleinen, unangekündigten Tests und Leistungskontrollen.

Auf der anderen Seite stehen die Lehrer, deren Aufgabe es ist, die Kinder bestmöglich auf die Zukunft vorzubereiten. Tagtäglich haben sie es auch mit vielen verschiedenen Persönlichkeiten zu tun, manche aufmüpfig, manche ganz brav und wieder andere liegen irgendwo dazwischen. Immer mehr Schulen kämpfen um ihren Erhalt, da schwindende Schülerzahlen kleinere Standorte bedrohen. So sieht die Situation ungefähr in den 2010er Jahren aus. Doch wie sah es früher aus?

Gehen wir einmal 50 Jahre zurück. In der Heftreihe „Unser Merseburger Land“ erschien der Artikel: „Aus der Geschichte des Schulwesens im Kreise Merseburg“ von Andreas Wrackmeyer. Dargestellt wurde dabei die Situation der Schulen 1964. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges und dem Wiederaufbau war man stolz auf sein Land, ganz besonders jedoch lobte der Autor das Schulwesen, welches „vorbildlich für ganz Deutschland“ war.

Immer wieder wird in seinem Artikel deutlich, wie fortschrittlich die Deutsche Demokratische Republik im Vergleich zum Deutschen Kaiserreich war. Aber natürlich zielten die Seitenhiebe auch auf das kapitalistische Ausland ab, denn laut eigener Aussage waren alle Schüler gleich. Zudem brüstete man sich mit der Leistungsfähigkeit des Systems. Während es im Jahr 1895 im Kreis 87 Schulen mit 9600 Schülern gab, waren es im Jahr 1964 bereits 22000!

Von den bloßen Zahlen dürfen wir uns keineswegs täuschen lassen, immerhin existierte zur Kaiserzeit eine völlig andere Schulstruktur. So gut wie jedes Dorf verfügte über mindestens eine Schule. Oftmals unterrichtete ein Lehrer sämtliche Fächer und alle Schüler, wobei die Älteren den Jüngeren halfen. Doch auch dies ist ein einseitiges Bild, denn das Schulsystem unterschied sich innerhalb Deutschlands ganz erheblich.

Wie die Situation auf den Dörfern unserer Heimat aussah, wird Thema des kommenden Beitrags.

Bildquelle:

http://www.schilder-schenken.de/images/product_images/original_images/spassschilder_ende_kindergarten.png

Dienstag, 31. März 2015

100. Beitrag - Unscheinbar, weitgereist und mächtig

Dieses Jahr möchte ich mich einem ganz besonderen Thema widmen. Es hat mit der Reiselust des Menschen zu tun und ist auch heute noch bei den meisten Deutschen ein ständiger Reisebegleiter. Als Proviant für Unterwegs ist es unverzichtbar. Noch bevor Kaffee und Tee in Europa Fuß fassen konnten, war es schon lange hier angekommen. Doch bevor das Rätsel gelöst wird, möchte ich noch ein bekanntes Gedicht von Goethe präsentieren:

Osterspaziergang

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche,
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungs-Glück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.

Von dorther sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur;
Aber die Sonne duldet kein Weisses,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlts im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.

Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurück zu sehen.
Aus dem hohlen finstern Tor
Dring ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden,
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbes Banden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus Strassen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.

Sieh nur sieh! wie behend sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluss, in Breit' und Länge,
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und, bis zum Sinken überladen
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.

Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet gross und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein.

Der Osterspaziergang weist deutlich auf des Rätsels Lösung hin: Das Ei. Hartgekocht ist es unersetzlich und zu Ostern sowieso allgegenwärtig. Was fast niemand weiß ist die Tatsache, dass der letzte Satz des Gedichts eigentlich anders lauten müsste. Goethe war leidenschaftlich gern auf Reisen und wollte seiner Lieblingsverpflegung ein Denkmal setzen. 

Auf seiner Italienreise fiel ihm deswegen folgender Satz ein: „Hier bin ich Mensch, hier ess ich´s Ei.“
Goethe gehörte zu den Freimaurern.
Ähnliche Vorkommnisse durchziehen die gesamte deutsche Geschichte, was z.B. das Osterfest deutlich zeigt. Das Ei symbolisiert beim Fest das neue Leben. Nichts anderes stellt ein Ei auf Reisen dar, nämlich die Erneuerung der Kräfte. Hinweise finden wir sogar auf sehr vielen Darstellungen, egal ob auf Leinwand gemalt oder in Stein gehauen. Deswegen möchte ich nachfolgend zunächst eine kleine Galerie präsentieren:

Beachten Sie den Ring mit den vielen Eiern, die Kaiser Otto I. in seiner rechten Hand hält. Er musste für viele Schlachten und Reisen stets gut versorgt sein.
Als strenge Vegetarierin hatte Sissy trotz allem immer eine heimliche Nascherei auf ihren Zimmern.

Ludwig II. von Bayern - man beachte, dass das "ay" wie Ei ausgesprochen wird - war sich seiner Herkunft stets bewusst. Neben Neuschwanenstein kannte er nur ein wirklich geeignetes Motiv.
Im Spiegelsaal von Versailles rief man im Jahr 1871 das Deutsche Kaiserreich aus. Zwischen Wilhelm links im Bild und Bismarck rechts im Bild erkennt man in der Mitte eine ganz unscheinbare Ehrbezeugung.
Albert Einstein erlangte als Physiker Weltruhm - seine Kraft und Ideen schöpfte er nachweislich aus einer bestimmten Quelle.
Willy Brandt kam auf eine geniale Idee, wie man Deutschland wieder hätte vereinigen können. Leider bekam die Geheimdienste Wind von der Aktion.
Zudem kann sogar der Laie auf den ersten Blick erkennen, wo der Einfluss dieses doch so einfachen Lebensmittels alles greift. Haben Sie schon einmal die Bögen in den Bauwerken der Gotik beobachtet? Ovale Durchgänge und Fenster weisen deutlich auf den Einfluss hin. Sogar in der heutigen Zeit hat das Ei seinen Einfluss bewiesen. Sicherlich wissen Sie, dass die Programmiersprache auf Nullen und Einsen fußt. Jetzt schauen Sie sich einfach die Ziffer einmal genau an: „0“. Die Ähnlichkeit ist wirklich verblüffend, während in der direkt darauffolgenden Zahl das Symbol des Lebens bereits im Namen steckt. Generell gilt, dass alles was uns wichtig ist, auf diesem einfachen Prinzip basiert. Die Ersten Plätze erhalten Gold, Silber und Bronze, gemeint sind die Plätze Eins, Zwei und Drei. Egal ob Eisenach oder Eiffelturm, überall gibt es deutliche Hinweise. Ja sogar unsere Hauptstadt ist eine regelrechte Verballhornung: Berlin. Es ist beinahe schon unheimlich, wie oft wir das Wort „Ei“ im Alltag verwenden. Nicht wahr? 

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass oberhalb des Reichstages, genau in der Mitte, ein seltsames Ei-förmiges Gebilde zu erblicken ist?